Unternehmen des Monats

KESSEL AG

tl_files/vpr/Unternehmen des Monats/portrait_kessel_150pxx200px.jpgAlexander Kessel ist Geschäftsführer der KESSEL AG, ein inhabergeführtes Unternehmen im Bereich Entwässerung von Grundstück und Gebäude mit rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. In der Verantwortungspartner-Region Ingolstadt ist Alexander Kessel Sprecher des Initiativkreises.




Ihr Unternehmen hat seinen Sitz in der Verantwortungspartner-Region Ingolstadt. Diese Region steht vor vielen wirtschaftlichen Herausforderungen, vor allem für mittelständische Unternehmen. Was spricht für genau diesen Standort und gegen einen Standortwechsel?

AK: Zum einen sind wir in der Region Ingolstadt großgeworden, zum anderen ist die Region ein guter Standort für technisch orientierte Unternehmen. Ingolstadt verfügt über eine sehr ausgeprägte Infrastruktur für technische Berufe. Für unser Geschäft sind qualifizierte Mitarbeiter, auf die wir setzen können, von größter Bedeutung. Das war schon immer ein ganz wichtiger Faktor. Zwar haben wir auch Probleme was die Fachkräfteverfügbarkeit angeht, allerdings ist die Qualität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hier sehr hoch.

Warum und seit wann engagieren Sie sich im Sinne unternehmerischer Nachhaltigkeit?

AK: Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Die KESSEL AG war schon immer im gesellschaftlichen Umfeld aktiv, nur wurde lange Zeit über dieses Engagement und die Maßnahmen nicht gesprochen. Seit Beginn – wir haben im vergangenen Jahr 50-jähriges Jubiläum gefeiert – unterstützen wir Sportvereine sowie soziale Einrichtungen und stellen Angebote für die gesamte Region bereit. Zudem legen wir schon immer viel Wert auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Man könnte sagen, das Engagement der KESSEL AG begann mit der Gründung des Unternehmens vor 50 Jahren.

Seit 2011/2012 beschäftigen wir uns aber eingehender mit dem Thema. Zu diesem Zeitpunkt haben wir begonnen, uns im Unternehmen mit dem Projekt Verantwortungspartner-Region Ingolstadt auseinander zu setzen. Seitdem professionalisieren wir unser Engagement, kommunizieren gezielter und definieren die Zielgruppen genauer. Wir sind dabei, ein schönes wirkungsvolles Gesamtpaket zu schnüren.

In welchem Projekt arbeiten Sie im Rahmen von Verantwortungspartner-Regionen in Deutschland mit?

AK: Zunächst bin ich involviert als Sprecher des Initiativkreises der Verantwortungspartner-Region Ingolstadt. Hier stehen die Kommunikation und Abstimmung im Vordergrund. Darüber hinaus engagiere ich mich gemeinsam mit einigen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Projekt „SET ‑ Schüler entdecken Technik“, das Nachwuchskräfte in den sogenannten „MINT“-Berufen fördert.

Foto: TfK - Technik für Kinder e. V.

Warum liegt Ihnen dieses Thema am Herzen?

AK: Es liegt uns deshalb am Herzen, weil wir genau diesen MINT-Nachwuchs ‑ seien es Ingenieure aber auch Fachkräfte in der Produktion mit technischen Verständnis ‑ in unserem Unternehmen benötigen. In der Region haben wir in dieser Hinsicht einen Engpass, weshalb wir schon früh mit der Förderung junger Talente beginnen möchten.

Welchen Herausforderungen stehen Sie bei der Umsetzung Ihres Projekts gegenüber?

AK: Unsere Projektgruppe hat von Beginn an die Strategie verfolgt, auf Bestehendem aufzubauen. Wir wollten das Rad nicht neu erfinden, sondern erfolgreiche Ideen weiter nach vorne bringen. Dadurch konnten wir einerseits von den Erfahrungen anderer Unternehmen profitieren und hatten andererseits keinerlei Probleme, Kontakte zu finden. Es gab beispielsweise bereits Kontakt mit Schulen, die bereit waren, das Programm umzusetzen.

Die größte Herausforderung war es dann in der Umsetzungsphase Personen zu finden, die sich bereiterklärten als Tutoren in die Schulen zu gehen und dort den Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern durchzuführen. Hier mussten wir ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Das liegt zum einen daran, dass es für viele ungewohnt ist, aus dem Unternehmen heraus zu gehen und das eigene Wissen an Kinder und Jugendliche zu vermitteln, aber viele trauen sich das zunächst auch nicht zu. Umso mehr freut es uns, dass Auszubildende der KESSEL AG seit Anfang des Jahres als Tutoren in Schulen der Region ihr Wissen auf spielerische Weise weitergeben.

Rückblickend kann ich sagen, dass wir relativ wenige ernsthafte Probleme hatten, die uns im Weg standen.

Haben sich für Sie im Rahmen des Programms neue Partnerschaften ergeben?

AK: Zu Schulen hatten wir auch schon vorher regen Kontakt, unter anderem weil wir für sie ein wichtiger Ansprechpartner sind. Wir haben aber durchaus neue Kontakte geknüpft. Unser Netzwerk zu anderen Unternehmen in der Region ist deutlich gestärkt worden. Wir sind mit ganz neuen Unternehmen in Kontakt gekommen, mit denen man sich gerade zum Thema gesellschaftliches Engagement aber auch zu anderen Themen austauschen kann.

Was würden Sie jungen oder neuen Verantwortungspartner-Regionen mit auf den Weg geben?

AK: Für uns war es das Wichtigste einfach mal zu starten. Wir haben eine Art Bestandsaufnahme gemacht: Welche Verantwortungspartner-Unternehmen betreiben bereits welche Projekte? Wir sind dabei auf erfolgreiche Projekte gestoßen, die man mit der entsprechenden Unterstützung einfach in ein größeres Format übertragen konnte. Ein Projekt ganz neu aufzusetzen ist mit Risiken verbunden, die wir somit umgehen konnten. In vielen Bereichen – auch wenn man es gar nicht weiß ‑ gibt es schon Lösungen auf die man zurückgreifen kann. Das haben wir mit der Projektgruppe „SET – Schüler entdecken Technik“ getan, indem wir das erfolgreiche Programm des Vereins „TfK ‑ Technik für Kinder e.V.“ in weiteren Schulen mit neuen Tutoren umsetzen. Was an einem Ort funktioniert, funktioniert mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an einem anderen. Diese Überlegung hat sich für uns beim Vernetzungstreffen der Verantwortungspartner in Berlin auch bestätigt. Hier zeigte sich beim Erfahrungsaustausch mit Vertretern aus anderen Regionen, dass eigentlich ähnliche Probleme und ähnliche Lösungsansätze in den Regionen auftauchen.

Ihr Unternehmen nimmt die zusätzliche CSR-Beratung für engagierte Unternehmen in Anspruch. Welche konkreten Vorteile hat die KESSEL AG von diesem zusätzlichen Engagement?

AK: Zunächst ist es grundsätzlich wichtig einen externen Blick auf das eigene Unternehmen und die bereits laufenden Maßnahmen zu werfen. Die CSR-Beratung hat uns geholfen, die Nachhaltigkeits-relevanten Themen innerhalb des Unternehmens zu strukturieren, aufzubereiten und auch den eigenen Mitarbeitern verständlicher zu kommunizieren. Wir haben dabei die Möglichkeit genutzt, verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen an einen Tisch zu bringen und in die CSR-Strategieentwicklung einzubinden.

Welche Herausforderung gehen Sie im Rahmen des CSR-Projektleiter-Programms in Ihrem Unternehmen an?

AK: Die grundsätzliche Herausforderung besteht darin, unser Nachhaltigkeits-Engagement neu zu strukturieren und zu kommunizieren. Konzentriert haben wir uns bei der Strategieentwicklung auf die Bereiche Mitarbeiter, Markt, Umwelt und Region. Innerhalb dieser Themenfelder haben wir dann die KESSEL-spezifischen Herausforderungen beleuchtet und hierzu Managementansätze entwickelt, die ab diesem Jahr greifen sollen.

tl_files/vpr/Unternehmen des Monats/fit mit kessel_logo_100px.jpgIm Bereich Mitarbeiter sind wir schon sehr aktiv. Wir haben flexible Arbeitszeiten, organisieren monatlich kostenfreie Ausflüge wie beispielsweise Besuche im Klettergarten, Schnupperkurse für bestimmte Sportarten wie Golfen und Tauchen oder verbringen einen Tag auf der Skipiste. Darüber hinaus gibt es ein Programm für Ernährungsberatung und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können am Sportprogramm „Fit mit KESSEL“ teilnehmen, das wir mit einem Fitnesstrainer entwickelt haben, der dreimal die Woche kostenloses Training anbietet.

Im Bereich Umwelt haben wir ein integriertes Umweltmanagement entwickelt. Hier sind wir nun auf einem ganz neuen Weg und lassen unser Umwelt- und Energiemanagement zertifizieren. Auch das ist ein ganz wichtiger Faktor für uns und genauso für die Region.

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Im nächsten Schritt ist es entscheidend, das Erreichte intern sowie extern zu kommunizieren und weiter zu entwickeln. Vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und auch externen Anspruchsgruppen war bisher nämlich kaum bekannt, welche Maßnahmen wir bereits in Sachen CSR durchführen. Mit der neuen Nachhaltigkeitsstrategie soll das anders sein.

 

Zeigen sich schon erste Erfolge durch das individuelle CSR-Programm?

AK: Wir haben unsere Nachhaltigkeitsstrategie präzisiert und damit wirkungsvoller gemacht. Das heißt, wir haben konkrete Ziele formuliert, Maßnahmen definiert und Indikatoren bestimmt, um überprüfen zu können, ob wir auf einem guten Weg sind. Ein erster Erfolg zeigt sich schon daran, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel häufiger über CSR sprechen und sich hier ein neues Verständnis abzeichnet. Über weitere Erfolge werden wir dann hoffentlich demnächst berichten können, wenn die Maßnahmen greifen.

Haben Sie bereits Ihr privates Umfeld mit dem Nachhaltigkeitsgedanken angesteckt?

AK: Es ist natürlich im Privaten immer mal wieder Thema, aber vor allem ist es im beruflichen Bereich präsent. Im Gespräch mit Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Region kommt immer wieder das Thema CSR auf. Das liegt sowohl an der steigenden Popularität des Themas insgesamt, ich führe es aber auch auf das Verantwortungspartner-Projekt zurück. Die Verantwortungspartner in Ingolstadt sind alle sehr engagiert und involviert. Aber auch extern wissen die Leute plötzlich Bescheid welche Unternehmen mitmachen, welche Projekte umgesetzt werden und man wird auch von Personen angesprochen, die nichts mit dem Projekt zu tun haben. Aus meiner Sicht hat das Projekt den Themen CSR und Nachhaltigkeit noch mal einen deutlichen Schub in der Region Ingolstadt gegeben und für mehr Verständnis gesorgt.